Spezialgebiet: CMD - Erkrankungen

CMD  - die unbekannte Volkskrankheit 

CMD-Erkrankungen sind Funktionsstörungen des Kauorgans, die Schmerzen im Kopfbereich, aber auch in anderen Körperregionen, z. B. im Hals- Schulterbereich auslösen können. Die Skala der Beschwerden erstreckt sich von einer fast schmerzlosen Beeinträchtigung der Beweglichkeit des Unterkiefers bis hin zu heftigsten, neuralgieartigen Schmerzattacken. 
Typisch sind einseitige, zum Ober- und Unterkiefer, zum Ohr, in die Zähne, die Zunge, die Augenhöhle, die Schläfen- und Stirnregion, aber auch in die Hals- und Schultermuskulatur ausstrahlende Schmerzen. Sie werden als wechselnd stechend, dumpf oder einschießend beschrieben. 
Die Abgrenzung zu anderen Schmerzen wie Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz oder Migräne ist schwierig, die häufigste Fehldiagnose lautet "Trigeminusneuralgie". Es kommt neben den Schmerzen zur Ermüdung und Verhärtung der Muskulatur bei intensivem Kauen, Einschränkung der Unterkieferbeweglichkeit und teils schmerzhaften Knack- oder Reibegeräuschen bei der Kieferbewegung. Häufig sind auch Symptome, die man nicht gleich mit den Zähnen in Zusammenhang bringt, z.B. ein Gefühl, als ob Watte in den Ohren sei oder beginnende Tinnitusphänomene, also Ohrgeräusche. 
Es werden bei einer CMD aber auch viele andere orthopädische Beschwerden berichtet, z.B. Rücken- und Hüftschmerzen. Sogar internistische Erkrankungen im Darmbereich oder im Zusammenhang mit dem Herzen werden diskutiert. Man schätzt, daß etwa 30% der Bevölkerung Symptome einer CMD- Erkrankung haben. Etwa jeder 10. davon ist therapiebedürftig, das wären in Deutschland etwa 3 Millionen an CMD erkrankte Patienten. Frauen sind etwa 3x so häufig betroffen wie Männer, die CMD wird üblicherweise im 2. bis 5. Lebensjahrzehnt diagnostiziert. Durch den zunehmenden Streß, dem wir alle in Schule und Beruf ausgesetzt sind, nimmt die Anzahl der CMD- Patienten derzeit stark zu.

Was ist eine CMD?

CMD ist die Abkürzung für Cranio- Mandibuläre Dysfunktion. Cranium ist der Schädel, Mandibula ist der Unterkiefer. Und wenn dieses Zusammenspiel zwischen Schädel, also Oberkiefer, und Unterkiefer nicht richtig funktioniert, dann kann eine cranio-mandibuläre Dysfunktion mit allen ihren vielfältigen Symptomen entstehen. Das Zusammenspiel zwischen Ober- und Unterkiefer entsteht vor allem durch den Biß, jetzt erklärt sich auch, warum Zahnärzte die Hauptbehandler bei CMD- Erkrankungen sind. Die CMD ist als Krankheit wie ein Chamäleon. Die Symptome sind vielfältig und zahlreich und haben oft scheinbar gar nichts mit dem Biß zu tun. Dadurch ist die CMD- Erkrankung sehr komplex, schwer zu diagnostizieren und aufwendig zu behandeln. Wegen dieser vielfältigen Symptomatik wird die CMD in den USA auch "the big imposter", also " der große Betrüger" genannt.

Wie kann eine CMD erkannt werden?

Viele Symptome, die auf eine CMD- Erkrankung hinweisen, finden wir auch in anderen Krankheitsbildern. 
In erster Linie sind es Schmerzen, die regelmäßig oder gar chronisch im Kiefer- Gesichtsbereich oder im Kopfbereich bestehen. Insbesondere Kopfschmerzen, die bereits morgens beim Aufstehen auftreten, sind hier verdächtig, weisen sie doch auf eine starke nächtliche Knirschaktivität hin. 
Dieses Zähneknirschen, Bruxismus genannt, ist ebenfalls ein starker Hinweis auf das Vorliegen einer CMD- Erkrankung. Beim Blick in den Spiegel kann man oft selbst feststellen, daß die oberen und die unteren Zähne durch das Knirschen kürzer werden. Die Zahnkanten passen nach einiger Zeit dann beim Knirschen so exakt aufeinander wie ein Schlüssel ins Schloss. Die großen Kräfte, mit denen geknirscht wird, machen im Laufe der Zeit nicht nur die Zähne kaputt, sondern belasten auch die Kopfmuskeln, was zu Kopfschmerzen führt. Sie führen auf Dauer auch an den Kiefergelenken zu einer oft schmerzhaften Arthrose.

Wer behandelt eine CMD?

Die Behandlung der CMD ist eine multidisziplinäre Aufgabe. Das bedeutet, daß mehrere medizinische Fachrichtungen an der Therapie beteiligt sind. CMD- Behandlung ist also fast immer Teamarbeit. In erster Linie sind die Behandler Zahnärzte oder Kieferorthopäden, die sich meist auf die CMD- Behandlung spezialisiert haben. Zahnärzte, die oftmals die zentralen Ursachen der CMD behandeln könnten, sind allerdings aufgrund fehlender Lehrinhalte im Rahmen der schul(zahn-)medizinischen Ausbildung oft mit CMD- Patienten überfordert. Behandlungsmittel sind in erster Linie Aufbißschienen, mit denen der Zahnarzt nach einer ausführlichen Diagnostik den neu geplanten Biß ausprobieren kann. 
Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind kieferorthopädische Behandlungen (Zahnspangen) oder Zahnersatzmaßnahmen, also neue Zahnkronen, Brücken oder Zahnprothesen, die in der neuen therapeutischen Bißsituation hergestellt werden. Zum Team der Behandler gehören sehr häufig auch Physiotherapeuten, die mithilfe manueller Therapien die Stellung des Kiefers verbessern und die Fehlhaltungen ausgleichen. Oftmals müssen auch Orthopäden in das Behandlungskonzept einbezogen sein, weil Haltungsprobleme bestehen, die z.B. durch Ganganalysen, Rückendiagnostik oder Einsatz orthopädischer Einlagen diagnostiziert und im Rahmen einer gemeinsamen Therapie behandelt werden müssen. Weitere Behandler anderer Fachdisziplinen zur Behandlung der CMD sind HNO- Ärzte, Logopäden, Schmerztherapeuten, aber auch Psychotherapeuten. Eine langjährige Karriere als nicht erkannter CMD- Patient hat schon so manche Psyche belastet. Der Psychotherapeut steht dann oft am Ende einer längeren Überweisungskette. Weil aber die Ursache der CMD eine organische Komponente hat, ist der Psychotherapeut als alleiniger Therapeut einer CMD ebenfalls überfordert.

Wird eine CMD- Therapie von den Krankenkassen bezahlt?

Private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen erstatten in der Regel einen Großteil der Behandlungskosten, wenn eine medizinische Notwendigkeit der Behandlung festgestellt wird. Gesetzliche Krankenversicherungen zahlen ebenfalls bestimmte Kosten der Behandlung, zum Beispiel im Bereich der Therapie mit zahnärztlichen Aufbißschienen und der begleitenden Physiotherapie. Allerdings werden durch Bestimmungen des Sozialgesetzbuches bestimmte funktionsdiagnostische oder funktionstherapeutische Leistungen ausdrücklich von einer Erstattung ausgenommen. Hier haben die gesetzlichen Krankenversicherungen also aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe keine Möglichkeit, ihren Versicherten einen Zuschuß zu diesen Behandlungskosten zu gewähren. Bei privaten Zahn- Zusatzversicherungen empfiehlt es sich, bei einem Neuabschluß zu prüfen, ob im Rahmen der gewünschten Tarife die Kosten für Funktionsanalyse oder Funktionstherapie erstattet werden.

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